Interview mit Ulrich Kienitz, geschäftführender Gesellschafter von Optris

In diesem Jahr mischt Optris 15 Jahre am Markt mit. Wir haben nachgefragt, welche Hürden es zu nehmen und welche Erfolge es zu feiern gab.

Im Umfeld der berührungslosen Temperaturmessung ist Optris mit seinen 15 Jahren ein noch recht junges Unternehmen. Ulrich Kienitz, geschäftsführender Gesellschafter, erklärt uns im Interview, warum es Optris trotzdem geschafft hat, sich einen Namen zu machen und gegenüber dem Wettbewerb zu bestehen. Zudem gibt er Einblicke in die neue Xi-Serie, welche die Vorteile einer Infrarotkamera und eines Pyrometers vereint.

Welche Ereignisse aus den vergangenen 15 Jahren haben bei Ihnen einen bleibenden Eindruck hinterlassen?

Ein Star-up-Unternehmen, wie wir es im Jahre 2003 waren, setzt natürlich immer eine gehörige Portion Langmut im besten Sinne des Wortes voraus. Wenn man sowohl die Produktlinien als auch den Vertriebskanal entwickeln muss, kostet das zunächst eine Menge Geld und die ersten vier Jahre der Geschäftsentwicklung waren – wie geplant – mit negativen Profitabilitäts-Kennzahlen verbunden. Mit dem Anwachsen der Stückzahlen bei unseren portablen wie auch stationären Infrarotthermometern trat auch eine wirtschaftliche Gesundung ein, sodass man heute kontinuierlich in eine regionale wie auch produkttechnische Erweiterung des Geschäfts investieren kann. Seit der Gründung nutzen wir die 5 Jahres - Jubiläen, um zurückliegende Entwicklungen zu rekapitulieren und gelegentlich auch zu hinterfragen. Das Wachstum der Mitarbeiterzahl von anfänglich 11 auf nunmehr fast 100 zeugt von Kontinuität und Stabilität unserer wirtschaftlichen Entwicklung.

Und welche Entwicklungen sind es in der nun bald 15-jährigen Unternehmensgeschichte von Optris, die Sie am meisten beeindruckt haben?

Anfänglich haben wir eher traditionelle Punktmesstechnik, also Pyrometer, mit sehr gutem Preis-Leistungsverhältnis zur Marktreife gebracht. Bei diesen Entwicklungen haben wir eher auf evolutionär verbesserte Produkteigenschaften Wert gelegt. Ab 2010 ergänzen eigene Infrarotkamera-Designs das Produktportfolio. Die einzelnen Bildpunkte derartiger Sensorchips erreichten schon damals eine spezifische Detektivität, die um eine Größenordnung über der bei Infrarotthermometern üblicherweise eingesetzten thermischen Einzelsensoren lag.

Gleichzeitig wurde diese Technologie in Richtung massenmarktkompatibler Preisbereiche entwickelt, sodass hier ein erhebliches Innovationspotenzial für die berührungslose Temperaturmesstechnik vorlag. Optris hat diese Chance durch Etablierung einer für die Automatisierungstechnik und den F&E-Einsatz geeigneten Thermografie-Produktlinie genutzt und generiert inzwischen einen erheblichen Anteil des Gesamtumsatzes mit dieser Technik.

Sie erwähnten, dass Ihr Portfolio seit 2010 auch Infrarotkameras umfasst. Was ist hier aktueller Entwicklungsstand und was fordert der Markt von Ihnen als Hersteller?

In den vergangen Jahren hat sich die stationäre Wärmebildkamera-Technik zu einem signifikanten Umsatzträger entwickelt. Dabei ist ein Trend – ähnlich zu den tragbaren Pyrometern und Wärmebildkameras – zu beobachten, bei dem die thermografische Bildmessung die einfache punktuelle Pyrometrie zumindest partiell ablöst. Die Vorzüge liegen auf der Hand, man erhält einen Überblick über die Temperaturverteilung und weiß wo ein Bauteil seine höchste Erwärmung aufweist. Fehler durch inakkurates Visieren werden dadurch von vorneherein ausgeschlossen. Zudem kann man lokale Hot Spots von großflächigen Erwärmungen leichter unterscheiden. Ein oftmals unterschätzter Vorteil ist die einfache Beobachtung von Reflektionen an den Objektoberflächen. Durch geeignete Beobachtungsrichtungen kann deren Einfluss minimiert werden. Aber solche Reflektionen überhaupt zu identifizieren, gelingt nur mit Hilfe von Wärmebildern. Unsere neueste Produktgeneration, die Xi-Serie, versucht nun, die Eigenschaften von Prozesssensoren wie den robusten und vom Interface her leicht integrierbaren Pyrometern mit den Vorteilen der zweidimensionalen Kameratechnik zu verbinden. Dabei wird das Ergebnis der Bildverarbeitung beispielsweise der höchste bzw. niedrigste Temperaturwert innerhalb einer „Region of Interest“ bereits als 0 bis 20 mA Stromschleifensignal ausgegeben. Eine parallele Beobachtung des Infrarotbildes ist natürlich auch gegeben. Die Prozessteuerung läuft jedoch völlig autonom, also unabhängig von angeschlossenen Bediengeräten. Es ist zudem gelungen, die Schutzklasse IP 68 bei Einhaltung der Ethernet-Übertragungsstandards zu erzielen. Die Scharfeinstellung der Objekte erfolgt optomotorisch im Gerät.

Wie klein dürfen die Objekte denn sein, damit sie von Ihren Kameras noch detektiert werden können?

Temperaturen auf kleinen Objekten zu messen und damit nachzuweisen, ob diese in den zulässigen Betriebstemperaturbereichen betrieben werden, ist vor allem für Elektronikentwickler und Designer von Komponenten essentiell. Seit einigen Monaten haben wir deshalb unsere Produktlinie durch eine Reihe von IR-Mikroskopen ergänzt, die eine zertifizierbare Messung von 25 µm kleinen Objekten erlauben. Für solche Techniken kommen praktisch nur Wärmebildkameras in Frage, da das exakte Visieren und Auffinden der wirklich höchsten Erwärmung mit Punktmessgeräten kaum machbar ist. Von derartig kleinen Dimensionen beginnend, decken wir mit unseren Produkten auch alle größeren Objekte ab, da wir ähnlich den aus der Fotografie bekannten Kameras bei einem bestimmten Öffnungswinkel mit größerer Entfernung nahezu beliebig große Oberflächen messen können. Ein Beispiel dafür ist die summarische Messung von Wolkentemperaturen bei bedecktem Himmel, bei der man ein möglichst großes Messfeld nutzen will.

Auf welche Leistung sind Sie besonders stolz und welche Entscheidung hat Ihnen bislang am meisten Kopfzerbrechen bereitet?

Produktentwicklung allein reicht in unserer modernen Welt nicht aus, um erfolgreich zu sein. Die Etablierung eines international leistungsfähigen Vertriebssystems, das in der Lage ist, Neuentwicklungen kurzfristig zu vermarkten und auch erklärungsintensive Produkte weltweit zu vertreiben, ist wesentlich für die Entwicklung einer Technologiefirma. Optris kann heute auf einen Exportanteil von 71 % verweisen, alleine in Asien werden fast ein Drittel aller Produkte umgesetzt. Verbunden mit dem Trend der Migration industrieller Anwendungen nach Asien musste und müssen wir natürlich auch die Schwerpunkte unserer Kunden- und Applikationsentwicklung verlagern. Unser heimischer Markt wird dadurch weniger wichtig und unser traditioneller Heimvorteil muss durch internationale Kompetenz weltweit tätiger Mitarbeiter und verstärkte Kooperationen im asiatischen Raum ergänzt werden.

Auf Ihrer Homepage beschreiben Sie Optris als junges Technikunternehmen, das sich im Laufe der vergangenen 14 Jahre im Bereich der berührungslosen Temperaturmesstechnik einen Namen gemacht hat. War es schwierig, sich neben dem „älteren“ Wettbewerb zu etablieren?

Wie man so schön im Englischen sagt ‚Never change a running system‘ – dies gilt natürlich auch für viele Maschinenbauer und Automobilzulieferer, die seit Jahren Temperaturmesstechnik einsetzten. Nur bei neuen Installationen und mit neuen verbesserten Produkteigenschaften kann man heutzutage signifikante Marktanteile gewinnen. Jegliche Geschäftsentwicklung ist unabhängig von der Region gerade im Investitionsgüterbereich mit einer relativ langen Phase geringen Umsatzes und geringen Wachstums verbunden, ehe sich neue Messprinzipien bzw. neue Anwendungen durchsetzen. Man muss also einen langen Atem haben und erheblich in das jeweilige Vertriebsgebiet investieren. Der Erfolg stellt sich dann eher nach Jahren und nicht schon nach wenigen Quartalen ein.

Wo sehen Sie Ihren USP?

Sowohl bei den Wärmebildkameras als auch bei den Pyrometern versuchen wir den sog. Sweet Spot im Preis-Leistungsverhältnis der Produkte zu besetzen. Dabei spielen Robustheit, thermische Beständigkeit und Einsatzfähigkeit unter widrigen Industriebedingungen eine große Rolle. Wir haben Sensoren die aufgrund ihrer maximalen Betriebstemperatur von bis zu 240 °C keinerlei Kühlung mehr benötigen und wir haben Wärmebildkameras die selbst 28 µm große Messflecken thermometrisch richtig erfassen. Sie sehen, es gibt eine ganze Spannbreite von herausragenden Produktparametern, die für unterschiedlichste Anwendungen fallspezifisch essentiell sind.

In welchen Branchen ist Optris zuhause? Und inwieweit unterstützen Sie Ihre Kunden bei der Umsetzung Ihrer Projekte?

Das Unternehmen beschäftigt sich ausschließlich mit berührungsloser Temperaturmesstechnik. Uns kommt dabei zu Gute, dass die Temperatur nach der Zeit die am zweithäufigsten gemessene physikalische Größe ist. Daher haben wir im industriellen Bereich einen fast unbegrenzten Markt, der von der Hauttemperaturmessung im Life Science Bereich, über die Messung der Schmelztemperatur im Stahlwerk bis hin zum Einsatz bei neuesten Fertigungstechnologien wie dem Additive Manufacturing reicht. Der Einsatz der Sensoren bedarf einerseits einer kompetenten Beratung, um Messfehler zu minimieren. Andererseits verlangen Kunden oftmals eine Komplettlösung, die die gesamte Prozesskette aus Messung, Bewertung und Steuerung beinhaltet. Diesen Support geben wir in Einzelfällen bei strategisch wichtigen Applikationen, wir versuchen dann allerdings recht schnell das Systemgeschäft an unsere lokalen Distributionsfirmen weiterzugeben. Die Betreuung, der Service und die Weiterentwicklung von Systemlösungen müssen unseres Erachtens am besten lokal vor Ort erfolgen. Als Firma versuchen wir, uns technologisch auf die Sensorik zu konzentrieren.

Warum sollten unsere Leser auf der Control bei Ihnen vorbeischauen?

Das Highlight unserer Produktpräsentation ist in diesem Jahr sicherlich die schon erwähnte, neue Kameralinie der Xi-Serie. Hiermit ist es uns gelungen, Bildgeräte im „Pyrometeroutfit“ herzustellen, wobei auch hier Produkteigenschaften wie ein Distanzverhältnis von 190:1 im Niedertemperaturbereich bei 0,1°C Temperaturauflösung hervorzuheben sind.

Kontaktieren

Optris GmbH
Ferdinand-Buisson-Str. 14
13127 Berlin
Telefon: 030/500197-0
Telefax: 030/500197-10

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