Industrielle Bildverarbeitung - China im Fokus

Der chinesische Automationsmarkt entwickelt sich schnell – wie auch die chinesischen Anbieter von Robotik und Automation. Bereits 2015 veröffentlichte der VDMA Fachverband Robotik + Automation eine Studie zur Robotik in China auf, die sich mit der Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Roboterhersteller befasst. Teilnehmern des European Machine Vision Summit ist der Vortrag dazu immer noch in lebhafter Erinnerung. 2017 setzte der VDMA Fachverband Robotik + Automation 2017 eine weitere Studie auf, die nun alle drei Teilbereiche der Robotik und Automation ins Visier nimmt: Industrielle Bildverarbeitung, Integrated Assembly Solutions und Robotik. Um praxisnahe Schlüsse ziehen zu können, untersucht sie zusätzlich die Systemintegration in ausgewählten Anwendungsbereichen, vor allem in der Automobilindustrie, in der Batterieproduktion, in der Elektronikindustrie und in der Herstellung von Haushaltsgeräten. Die Studie wurde wieder von Euro Asia Consulting (München und Shanghai) im Auftrag von VDMA R+A durchgeführt, die Ausrichtung wurde in einem Industriearbeitskreis entwickelt. Die Studie ist seit Januar für VDMA Mitglieder verfügbar. Dieser Artikel liefert einen ersten Einblick.

Ein enormes Wachstumspotenzial, aber partizipieren wir daran?

Der chinesische Robotik- und Automationsmarkt wird mittelfristig weiter um etwa 20% pro Jahr wachsen. Nachdem sich China bereits den Titel des weltgrößten Robotermarktes gesichert hat, verfolgt das Land nun den ambitionierten Plan, zur technologischen Supermacht aufzusteigen. Für die europäischen Anbieter von Robotik und Automation lauten die Fragen daher: Können wir von dieser Dynamik profitieren und unsere Marktanteile auch in Zukunft halten? Was müssen wir tun, um dies sicherzustellen? In welchen Feldern liegen die größten Erfolgsaussichten? Mit wem und mit was konkurrieren wir eigentlich? Während die europäischen Anbieter als Zulieferer zur chinesischen Erfolgsgeschichte derzeit noch gut positioniert sind, könnte sich das Blatt bald wenden. Die Bedeutung des chinesischen Marktes ist zu groß, um der schnell wachsenden Automatisierungskompetenz Chinas mit Gleichgültigkeit zu begegnen. Denn Automation „Made in China“ ist oft billiger, schneller und „gut genug“ um die lokalen Kunden und ihre Prozessanforderungen zufrieden zu stellen.

Wettbewerbsanalyse Robotik + Automation in China

Der Wettbewerbsdruck für die Industrielle Bildverarbeitung ist bislang noch moderat.

Während Softwarekompetenz und Domänenwissen derzeit noch begrenzt sind, versuchen die chinesischen Hersteller mit aggressiver Preispolitik Marktanteile zu gewinnen, insbesondere bei Kameras, Beleuchtung und Objektiven.

Die europäischen Roboterhersteller besitzen – noch! – einen deutlichen Wettbewerbsvorsprung. Die sich rapide entwickelnde chinesische Robotikindustrie liefert ihre Produkte nach wie vor für Anwendungen, die nicht höchste Anforderungen an Präzision, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit (MTBF) stellen. Hinzu kommt, dass der Markt sehr schnell wächst und die chinesische Roboterdichte sehr bald den Weltdurchschnitt übertreffen wird. Der Markt bietet daher noch viel Platz sowohl für niedrigpreisige als auch für hoch leistungsfähige Roboter. Das letztere Segment, insbesondere bei den Knickarm-Kinematiken, befindet sich noch immer fest in der Hand von japanischen und europäischen Herstellern. Doch der technologische Abstand verringert sich und viele attraktive neue Marktschancen bieten sich künftig in den niedrigpreisigen Anwendungen.

Die Integrated Assembly Solutions sehen sich dem größten Risiko ausgesetzt, durch chinesische Anbieter ersetzt zu werden. Im gleichen Maße, wie sich die Kompetenzen der chinesischen IAS-Player entwickeln, werden Standardanwendungen, wie zum Beispiel die Verkettung von Prozessen oder Pick-und-Place-Vorgänge, von lokalen Ausrüstern – ohne Einbeziehung ausländischer Anbieter – realisiert. Parallel forcieren vor allem führende Elektronikhersteller den Aufbau eigener Systemintegrationskompetenz und erschweren somit den Zugang externer Anbieter. Zunehmend sind daher die Marktchancen europäischer Lieferanten auf sehr anspruchsvolle „high-end“ Anwendungen begrenzt, für die nach wie vor eine höhere Zahlungsbereitschaft vorhanden ist.

Die Privatinvestoren kommen

Die Regierung spielt noch immer eine große Rolle in der Entwicklung der chinesischen Robotik- und Automationsbranche, insbesondere durch einen klar definierten „Industrie-Masterplan“, auch über das Jahr 2025 hinaus. Während es bisher massive Förderprogramme der Regierung waren, die die explosionsartige Entwicklung der Robotik und Automation in China befeuerten, haben sich die Investitionsmechanismen weiterentwickelt. Die Branche ist nun in den Fokus privater Investoren gerückt. Wie keine andere Branche verkörpern Roboter die Vision einer High-tech-Zukunft und erregen die Aufmerksamkeit institutioneller und privater Investoren. Hinzu kommt eine leistungsstarke Verbindung aus öffentlicher Förderung und Privatinvestment – durch den neu lancierten staatlichen „Guiding Fund“. Fazit: Das Angebot an Ressourcen zur Entwicklung der Robotik- und Automationskompetenz Chinas steigt – als Produzent und als Anwender.

Die detaillierten Studienergebnisse können VDMA Mitglieder beim Fachverband Robotik + Automation anfordern.

VDMA Industrielle Bildverarbeitung

Der VDMA ist der größte Industrieverband in Europa und hat mehr als 3.200 Mitgliedsfirmen aus der Investitionsgüterindustrie und dem Maschinen- und Anlagenbau. Als Teil des VDMA Fachverbandes Robotik + Automation hat VDMA Industrielle Bildverarbeitung mehr als 115 Mitglieder: Anbieter von Bildverarbeitungssystemen und -komponenten sowie Integratoren. Ziel dieser industriegetriebenen Plattform ist es, die Bildverarbeitungsindustrie durch ein breites Spektrum von Aktivitäten und Dienstleistungen zu unterstützen. Arbeitsschwerpunkte sind statistische Analysen und die jährliche Marktbefragung Industrielle Bildverarbeitung, Marketingaktivitäten, Öffentlichkeitsarbeit, Messepolitik, Standardisierung sowie Networking-Veranstaltungen und Konferenzen.

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