„Virtuelle Events sind kein Ersatz für physische Messen“

Interview mit Florian Niethammer, Projektleiter der Fachmesse Vision

  • Florian Niethammer. Bild: Messe StuttgartFlorian Niethammer. Bild: Messe Stuttgart

Die Vision 2020 ist abgesagt. Über die schwierige Abwägung zwischen Gesundheitsschutz und wirtschaft­lichem Erfolg sprach die inspect mit Florian Niethammer, Projektleiter für die Vision bei der Messe Stuttgart. Er erklärt auch, wie das in ­normalen Jahren größte Pfund,
die hohe Internationalität der wichtigsten Branchenveranstaltung, zum Nachteil wurde. Daneben thematisiert Niethammer die Lektionen, die Messeveranstalter in dieser Krise gelernt haben.

inspect: Wie kam es zu der Entscheidung, die Vision 2020 abzusagen?

F. Niethammer: Bereits seit dem Frühjahr sind wir in sehr engem Austausch mit den Ausstellern der Vision und unserem ideellen Träger VDMA Machine Vision im Hinblick auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie. In zahlreichen Telefonaten und Workshops haben wir gut zugehört und uns die Einschätzungen und Risikobewertungen der Branche hinsichtlich einer Durchführung der Vision 2020 eingeholt.

inspect: Was war das ausschlaggebende ­Element für die Absage der Vision 2020?

F. Niethammer: Am Ende war es vor allem die Internationalität der Vision in Kombination mit den zu erwartenden Reisebeschränkungen im Herbst, die uns dazu bewogen haben, unseren Ausstellern den kostenfreien Rücktritt von ihrer Anmeldung anzubieten. Eine für uns nicht ganz einfache Entscheidung, die aber unserem partnerschaftlichen Verständnis entspricht und in hohem Maße von unseren Ausstellern wertgeschätzt wird.

inspect: Welche Argumente sprachen dennoch für die Durchführung der Vision trotz der ­Coronakrise?

F. Niethammer: Die Vision blickt auf eine langjährige Tradition zurück und ist fester Bestandteil im Messekalender der Branche. Ein Termin, auf den wir uns alle ohne Zweifel immer sehr freuen. In Stuttgart präsentieren die Aussteller dem internationalen Fachpublikum ihre zahlreichen Innovationen und Weltpremieren. Die Entscheidung ist uns dadurch nicht leichter gefallen.
Aber keiner weiß, wie sich die weltweite Lage in der zweiten Jahreshälfte entwickeln wird. Umso wichtiger war es uns, unseren Ausstellern rechtzeitig Planungssicherheit in dieser schwierigen ­Situation zu geben.

inspect: Bedeutet die Absage der Vision auch das Aus für die restlichen Messen in Stuttgart in diesem Jahr?

F. Niethammer: Tatsächlich kann dies nur individuell für jede einzelne Messe und damit auch Branche betrachtet und entschieden werden, sei es in Stuttgart oder an anderen Messestandorten. Bei der Vision waren die hohe Internationalität, und das Risiko, dass viele Aussteller und Besucher vielleicht gar nicht anreisen können, der Knackpunkt.

inspect: Wie bewerten Sie virtuelle Messen?

F. Niethammer: Ich persönlich würde lieber von virtuellen Events sprechen. Hier gibt es tolle Ansätze, die wir in den letzten Wochen gesehen haben. Was aus meiner Sicht dabei gut funktioniert, sind Formate zur Weiterbildung und zum Wissenstransfer. Wenn diese mit Möglichkeiten zur Interaktion gepaart sind, sicher ein großer Mehrwert in der aktuellen Zeit. Ich sehe darin aber keinen Ersatz für physische Messen, wo es darum geht, haptisch Dinge zu erleben oder Geschäftspartner im direkten persönlichen Austausch kennenzulernen.

inspect: Inwiefern könnten virtuelle Messen oder Kongresse Präsenzveranstaltungen künftig ergänzen? 

F. Niethammer: Mit Sicherheit können diese eine spannende Ergänzung zum Beispiel im Zeitraum zwischen zwei Präsenzveranstaltungen sein. Und natürlich kann man sich ebenfalls vorstellen künftige Präsenzveranstaltungen digital zu verlängern, um damit eine größere Anzahl an Personen zu erreichen.

inspect: Inwiefern lässt uns die Corona-Pandemie umdenken bezüglich Branchenveranstaltungen?

F. Niethammer: Die letzten Monate haben viele digitale Neuerfahrungen mit sich gebracht, und ich bin überzeugt, dass vieles davon auch nach der Corona-Pandemie Bestand haben wird. Gleichzeitig spüre ich aber in allen Gesprächen den Wunsch und die Sehnsucht nach persönlichen Begegnungen auf Augenhöhe. Von daher ist mir grundsätzlich nicht bange um die Zukunft von Branchenveranstaltungen.
Sicherlich werden wir aber auch in den kommenden Wochen weiterhin im Detail prüfen und bewerten müssen, wie genau die Durchführung von Messen in der aktuellen Zeit bestmöglich gelingt.

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