Im Interview: Bettina Schall über das Thema Qualitätssicherung und ein kaum planbares Jahr 2020

Die Fachmesse Control nach der Absage für 2020

  • Bettina Schall: „Know-how-Transfer auf Augenhöhe ist unverzichtbar." (Bildquelle: P.E. Schall)Bettina Schall: „Know-how-Transfer auf Augenhöhe ist unverzichtbar." (Bildquelle: P.E. Schall)

Anfang Mai sollte nunmehr die 34. Control, Internationale Fachmesse für Qualitätssicherung, stattfinden – doch alles kam anders als geplant. Mit welchen Themen rund um QS man sich trotz ausgefallener Control dennoch beschäftigen sollte und wie die Corona-Pandemie die Messelandschaft beeinflusst, erklärt uns Control-Veranstalterin Bettina Schall im Interview.

Im vergangenen Jahr sagten Sie in einem Interview im Vorfeld der Control, dass der Einsatz von KI die Qualitätssicherung der Zukunft massiv beeinflussen wird. Inwieweit hat KI dies im Laufe des vergangenen Jahres getan?
Bettina Schall
: Die Methodik und Weiterentwicklung rund um Künstliche Intelligenz schreitet permanent voran, ebenso Anwendungsgebiete und Lösungen für diverse Bereiche in der Produktion. Im Bereich Bildverarbeitung und Qualitätssicherung im industriellen Einsatz sind intelligente, smarte Lösungen schon lange verbreitet, die nun durch Lernfähigkeit noch einmal verbessert werden. Dies ist ein sich permanent fortsetzender Prozess. Systeme der visuellen Inspektion sind Machine-Vision-Systeme, die schon im Einsatz sind. Sensorik und Messtechnik werden zunehmend komplexer und erfordern eine intelligente Datenverarbeitung. Insoweit hat die Weiterentwicklung der KI auf breitem Feld direkten Einfluss auf die Fortentwicklung moderner QS-Systeme.

Die Vernetzung in der Mess- & Prüftechnik setzt sich weiter durch. Inwieweit sind die Technologien heute schon auf die Datenflut eingestellt?
Schall: Es versteht sich von selbst, dass die Datenmengen, die durch die zunehmende Vernetzung von Produktionsabläufen und Inline-Prüfvorgängen entstehen, nicht nur hardwaremäßig verwaltet, sondern auch softwaremäßig verarbeitet werden. Wie gesagt – es ist ein fortwährend sich weiterentwickelnder Prozess, Daten grundlegend zu analysieren und Abläufe derart miteinander zu vernetzen, dass gewonnene Daten nutzbringend verwendet werden. Dieser Prozess ist längst im Gange, und jeder weiß, dass Big Data bewältigt werden muss.  

Was sind weitere Trendthemen – neben KI und der Vernetzung?
Schall: KI, Vernetzung und Integration lassen sich nicht voneinander trennen.

In Sachen Echtzeitanalysen, Präzision und Individualisierung werden wir einen Schritt vorwärts gehen. Software wird hierbei eine zunehmend wichtigere Rolle spielen. Denn die Steuerung und Analyse der Messaufgaben und der dabei eingesetzten Maschinen, der digitale Zwilling, Datenverarbeitung und Datentransparenz sind ohne Software nicht möglich.

Optische Messtechnik mit Augmented Reality sei noch nicht soweit, flächendeckend etabliert zu werden. Wie schätzen Sie denn den aktuellen Stand ein?
Schall: Weiterentwicklungen und der aktuelle Stand sollten eigentlich auf der Control zu sehen sein. Doch auch ohne bin sicher, dass es zwischenzeitlich auch im Bereich Augmented Reality eine weitere Verbreitung gibt.

Die Absage wichtiger Messen und Veranstaltungen rollt seit März wie eine Welle über Deutschland und andere Länder hinweg. Wie gehen Sie als Messeveranstalter mit der Absage der Control um? Was sagen Ihre Aussteller dazu?
Schall: Die gegenwärtige Situation, die Corona-Krise, betrifft alle Menschen weltweit. Uns alle beherrscht derzeit eine in dieser Weise noch nie dagewesene Bedrohung. Mit der Absage der Control haben wir umzugehen, wie es die Lage gebietet: sachlich und vernünftig. Natürlich haben alle Beteiligten bis zur letzten Stunde gehofft, dass sich die Situation noch wendet. Immerhin haben die Aussteller viele Monate Vorbereitung für die Messe aufgewendet, viele neue Produkte und Lösungen für den Bereich der Qualitätssicherung entwickelt. Aber jeder weiß, wie galoppierend sich die Infektionslage verschärft hat. Es ist jeder betroffen, wir alle ohne Ausnahme. Insoweit war die rechtzeitige Absage der Control die einzig richtige Entscheidung, die alle Betroffenen mittragen.  

Warum kam eine Verschiebung der Messe in den Herbst für Sie nicht infrage?
Schall: Eine Verschiebung der Control in den Herbst würde eine große Belastung für die Aussteller bedeuten, steht doch die nächste Messe 2021 dann schon wieder ein halbes Jahr später an. Es ist also in der nüchternen Betrachtung des ohnehin vollen Messeterminkalenders im Herbst begründet, den Ausstellern einer Jahresmesse den nötigen Atem zu lassen, um die Folgemesse vorzubereiten. Ohnehin müssen die Unternehmen in der gegenwärtigen Lage mit Kontakt- und Reiseverboten, Produktionsunterbrechungen, Betriebsschließungen und hohem Krankenstand ihre Arbeitsabläufe neu strukturieren und außergewöhnliche Herausforderungen bewältigen. Sicher auch noch über die nächsten Wochen und Monate. Also, wir als Messeveranstalter waren uns gemeinsam mit dem Messebeirat sofort einig darüber, keinen Herbsttermin anzusetzen.

Die Coronakrise ist in vollem Gange und wird uns neben Messeabsagen auch gesamtwirtschaftlich beschäftigen. Welche Auswirkungen wird dies mittelfristig auf die Messelandschaft haben?
Schall
: Niemand weiß, welche Auswirkungen diese Krise haben wird. Niemand kann derzeit die gesamtwirtschaftlichen Folgen abschätzen. Und wir wissen auch nicht, wie lange die vielfältigen Einschränkungen aufgrund der global verbreiteten Infektionslage dauern werden. Aber wir wissen, dass der persönliche Austausch zwischen Anbieter und Kunden immer ganz oben steht und für die Lösung der Aufgabenstellungen essenziell ist. Das persönliche Expertengespräch, der Know-how-Transfer auf Augenhöhe wird auch künftig unverzichtbar sein. Und fest steht auch, dass das Thema Qualitätssicherung wichtiger wird denn je: In dieser angespannten Situation ist erst recht eine effiziente, wirtschaftliche und kostengünstige Null-Fehler-Produktion unabdingbar! Hierfür ist die Control genau die richtige Plattform. Wir dürfen also sehr zuversichtlich und optimistisch auf den Messetermin 2021 schauen.

Wie gleichen Ihre Aussteller den Wegfall der Produktkommunikation und des Kontaktes zu den Kunden aus?
Schall: Die Kommunikationskanäle zwischen unseren Ausstellern als Anbietern und ihren Kunden werden ja weiterhin rege bedient. Beispielsweise erhalten Anwender, Kunden und Interessierte Produktinformationen über Fachmedienplattformen. Auch über unser Portal www.control-Messe.de sind die aktuellen Informationen der Austeller abrufbar.

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