Interview mit Datalogic Geschäftsführerin Valentina Volta

Die Lust an der Innovation ist die Antriebsfeder für Datalogic. Von Anfang an hat sich das Unternehmen auf die Entwicklung von Sensoren für die industrielle Automation fokussiert. Nun bringt die Rückverlagerung von Produktionsprozessen nach Europa sowie der verstärkte Trend zum Customizing etwa in der Automobilindustrie wieder mehr Menschen in den Produktionsprozess. Mit Valentina Volta, Geschäftsführerin der Datalogic S.p.A sprach inspect über die Veränderungen im Markt

inspect: Frau Volta, Sie blicken auf eine beträchtliche Unternehmensgeschichte zurück – Datalogic besteht bereits seit 1972. Gibt es bestimmte Werte und eine bestimmte Firmenphilosophie, auf die Sie diesen Erfolg zurückführen?

V. Volta: Wir bekennen uns in der Tat zu bestimmten Werten – wir haben sogar zehn solcher Werte für unser Unternehmen formuliert. An erster Stelle der drei wichtigsten dieser Werte steht die Kundenorientierung. Dabei bemühen wir uns vor allem auch darum, zu messen, wie zufrieden unsere Kunden tatsächlich sind. So wollen wir einen immer besseren Service bieten und unsere Produktqualität ständig verbessern. Der zweite dieser Werte ist die Innovation: Als High-tech-Unternehmen geben wir zehn Prozent unseres Umsatzes für Forschung und Entwicklung aus. Es ist uns sehr wichtig, immer an der Spitze der technologischen Entwicklung zu bleiben und die Bedürfnisse unserer Kunden vorwegzunehmen. Etwa 25 Prozent unseres Jahresumsatzes generieren wir aus neuen Produkten. Der dritte Punkt in unserer Werteskala ist der Umstand, dass wir langfristig denken. Wie Sie wissen, sind wir an der Mailänder Börse notiert. 67 Prozent der Anteile werden allerdings von unserer Familie gehalten – dies erlaubt es uns, in größeren Zeiträumen zu denken. Wer heute investiert, sieht womöglich zwei oder drei Jahre lang keine Ergebnisse – um so wichtiger ist es für uns, möglichst vorauszusehen, welche Produkte und Innovationen der Kunde in zwei Jahren von uns erwartet.     

inspect:  …das scheint bislang gut funktioniert zu haben.

V. Volta: Auch deshalb, weil wir – abgesehen von den genannten drei Aspekten – unsere Mitarbeiter ermutigen, jederzeit Spitzenleistungen anzustreben und dafür Verantwortung zu übernehmen.

Als kundenorientiertes Unternehmen sind Innovation und langfristiges Denken das Wichtigste für uns. Dabei versuchen wir immer, einen Mehrwert für unsere Kunden zu schaffen. All das ist die Grundlage unseres Erfolgs.

inspect:  Sie sind bereits im Besitz vieler Patente – auch dafür bedarf es ja einer aktiv betriebenen Innovationskultur?

V. Volta: Seit zwei Jahren haben wir einen Chief IT-Council, der ein Team von sieben Mitarbeitern in allen Regionen in Europa und den USA leitet. Es befasste sich bislang vor allem sehr erfolgreich mit dem Thema Data Harvesting. Für uns arbeiten 450 Ingenieure und jedes Jahr veranstalten wir unseren „Leondardo da Vinci Best Patent Award”, der den Wettbewerb unter ihnen anregt. Eine Kommission wertet alle neuen Patente nach zehn Kriterien aus. Hier geht es z.B. um den Innovationsgrad der Erfindung – und darum, inwieweit diese Innovation dem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen kann. Auf Grundlage dieser Kriterien wird der Preis vergeben – und der Gewinner erhält einen Scheck über 10.000 US-$, der Zweite bekommt 5.000 und der Dritte 2.500 US-$. Allerdings müssen die besten Ideen nicht unbedingt von Ingenieuren kommen. Manchmal kommen sie von den Mitarbeitern, die jeden Tag in Kontakt mit unseren Kunden stehen – deshalb entwickeln wir für sie ein ähnliches Programm. Von diesen Mitarbeitern erfahren wir besonders viel von den Bedürfnissen unserer Kunden. 2015 konnten wir die Zahl der Erfindungsmeldungen verdoppeln.      

inspect:  Lassen Sie uns einmal über Ihre Marktbearbeitungsstrategie sprechen. Auf welche Märkte konzentrieren Sie sich hauptsächlich mit Ihren Produkten? 

V. Volta: Als CEO unseres Geschäftsbereichs Industrieautomation bin ich geneigt zu sagen, dass wir uns hauptsächlich auf diesen Sektor fokussieren. Unsere Abteilung befasst sich mit Fabrikautomation und E-Commerce: Viele Dinge werden auf Fließbändern bewegt. Es gibt hier noch viele ungenutzte Möglichkeiten für Datalogic, denn wir haben exzellente Produkte und der Markt ist sehr groß – vor allem in Deutschland. Deshalb ist Benjamin Westdickenberg bei uns – seit Juli 2015 ist er u.a. als Country Manager Zentraleuropa bei uns tätig.
Es ist zudem ein großer Unterschied, ob die Produktion von Menschen oder von Maschinen durchgeführt wird. Unternehmen wird heute klar, dass sie die Produktion nach Deutschland zurückholen können, weil sie mit automatisierten Systemen und zehn einheimischen Mitarbeitern besser fahren, als wenn sie in China fertigen lassen, wo 1.000 Mitarbeiter Handarbeit leisten. Diese Unternehmen können das gleiche Resultat erreichen – zu den gleichen Kosten, die bei einer Produktion in China anfallen würden. Deshalb gehen wir in den nächsten Jahren von einer zunehmenden Nachfrage nach Produkten für die Fabrikautomation aus. In der Automobilindustrie geht es derzeit darum, die individuelle, kundenspezifische Konfiguration für Fahrzeuge auf die Spitze zu treiben – für dieses extreme Customizing braucht man Menschen. Und sobald es Menschen im Produktionsprozess gibt, muss man wieder Sicherheits-Vorhänge und andere Schutzeinrichtungen installieren – hier öffnet sich für uns also ein riesiger Markt.

inspect:  Wie reagiert man in Asien auf diese Entwicklung?

V. Volta: In Asien selbst beginnen Unternehmen zu verstehen, dass sie sich nicht mehr allein auf billige Arbeitskraft verlassen können, sondern dass sie ebenfalls verstärkt auf Automatisierung setzen müssen. Beispielsweise hat Foxconn, der als Subunternehmer für die Herstellung von Apple iPhones arbeitet, bereits überall automatisierte Systeme installiert, die mit unseren Produkten ausgestattet sind – man versteht dort, dass sie hinsichtlich Qualität und Effizienz profitieren. Automation bedeutet also eine ganze Welt enormer Nachfrage. Europa ist, wie Sie wissen, das Herkunftsland der Automatisierung – nicht die USA. Aus den USA kam die Informatik, die IT. In Europa, genauer in Deutschland und Italien, haben wir die wichtigsten Automatisierungsunternehmen für Verpackungsmaschinen und Pharmazeutika. Wir sehen deshalb Mitteleuropa als einen adäquaten Standort für unsere wichtigsten Produktionskapazitäten. So haben wir etwa ein Grundstück in Ungarn erworben, das uns ausreichend Platz für Erweiterungen bietet – das können wir nutzen, wenn wir auf ansteigende Nachfrage reagieren müssen.

inspect:  Das Stichwort Industrie 4.0 wird in Deutschland viel besprochen – wie ist Ihre Haltung zu diesem Thema?

V. Volta: Ich stehe dem sehr positiv gegenüber, denn für immer mehr Produkte gilt, dass sie nicht isoliert für sich betrachtet werden können. Künftig werden diese Produkte in der Lage sein, untereinander zu interagieren, von sich aus zu kommunizieren und mit einer eigenen Form des Internets zu arbeiten. Die Produkte entlang der Fertigungskette müssen sozusagen miteinander sprechen können. Das führt dazu, dass wir Daten brauchen – ohne Produktionsdaten sind Sie verloren. Unsere Produkte werden zunehmend intelligenter und kommunizieren untereinander. Wir sind mit unserer Technologie in der Lage, dieser Entwicklung rechtzeitig zu begegnen.

inspect:  Lassen Sie uns über Ihre Vertriebsorganisation sprechen – arbeiten Sie eher mit eigenen Kapazitäten oder setzen Sie auch auf Dienstleister?

V. Volta: Ich würde sagen, wir haben ein hybrides Modell. Wir besuchen viele wichtige Kunden direkt, um aus erster Hand informiert zu sein – aber wir arbeiten mit Vertriebspartnern zusammen. Es war sicherlich einer der Gründe für den Erfolg von Datalogic, auf diese Weise zu arbeiten, anstatt als riesige Firma aufzutreten. Wir haben sehr starke Partnerschaften aufgebaut mit Distributoren und Systemintegratoren, wir verkaufen also hauptsächlich über Partner. Wir unterstützen sie teils auch dadurch, dass wir den Kontakt mit einem Kunden vermitteln, und dann dessen Bedarf zusammen mit dem Partner erfüllen – in anderen Fällen kommen die Partner auf uns zu und arbeiten wiederum zusammen. Wir arbeiten also zwar nicht hundertprozentig im Eigenvertrieb, sind aber andererseits auch kein Unternehmen, das ausschließlich mit Partnern arbeitet. Blicken wir auf die Zahlen, dann läuft 80 Prozent des Verkaufs über unsere Vertriebspartner – aber wir sind über unsere Partner auch in engem persönlichen Kontakt mit unseren Endkunden. Wir sind dort präsent und wissen deshalb – vor allem in der Verpackungsindustrie – welche Lösungen unsere Kunden brauchen. Wir möchten vor allem Hersteller sein und zeigen, dass wir ein breites Portfolio haben, mit denen unsere Partner Lösungen für ihre jeweiligen Kunden bieten können. Unser Geschäft fokussiert sich also auf Sensoren, Sicherheits- und Barcode-Leser – und für alles andere brauchen wir gute Partner. 

inspect:  Wie wird sich aus Ihrer Sicht die Kameratechnik im Retailbereich entwickeln – insbesondere als Ersatz für Bar-Code-Scanner im Supermarkt bis hin zum letztlich unbenannten Drive-in-Supermarkt?

V. Volta: Datalogic hat in diesem Bereich Pionierarbeit geleistet und investiert. In Eugene (Oregon, USA) betreiben wir entsprechende Forschungs- und Entwicklung in Form eines Mini-Labors. Wir haben einen „Quick Market”, ein kleines Modell-Geschäft der Zukunft, aufgebaut – dort kann man alle Innovationen persönlich besichtigen. Wir glauben, dass Imaging-Technologie, also die optische Identifizerung von Objekten anstelle der Bar-Code-Identifikation künftig eine erhebliche Rolle spielen wird. In unserem Quick Market haben wir zum Beispiel Kameras an der Decke angebracht, welche die Produkte im Laden identifizieren können, die nicht vom Bar-Code-System erfasst sind – etwa Obst und Gemüse. Wir glauben, dass diese Technologie das größte Potential für Datalogic hat. Wir entwickeln deshalb Vision-Technologien für den Bereich Lebensmittel und die entsprechenden Kassensysteme. Das wird noch eine Weile brauchen – aber wir glauben, dass der Traum, dass man den Lebensmittelladen mit seinen Einkäufen verlassen kann, ohne dass jedes einzelne Teil über die Kasse gezogen werden muss, bald wahr wird. Für Einzelhändler ist das die wichtigste Entwicklung im Zusammenhang mit dem Thema Zeitersparnis beim Kassieren. Seine Kunden mögen ein noch so angenehmes Einkaufserlebnis haben – wenn sie dann ewig an der Kasse angestanden haben, ist das oft das einzige woran sie sich später erinnern werden. Schon die bereits üblichen Scannerkassen sparen ja sehr viel Zeit – aber wir glauben an weitere Verbesserungsmöglichkeiten und investieren in diese Zukunftstechnologie.

inspect:  Der mobile Scanner ist gerade im Kommen – Sie sind darauf sicher gut vorbereitet. Wie sieht es aber mit der Softwareseite aus?

V. Volta: Wir haben lange und viel in mobile Geräte investiert. Im Januar haben wir auf der NRF in New York – das ist dort die größte Retail-Messe – eine Reihe von Innovationen vorgestellt. Wir waren das erste Unternehmen weltweit, das berührungsloses Bezahlen eingeführt hat. Der Hintergrund war der, dass es früher oft Probleme mit dem Kontakt gab, wenn man das Selbst-Scann-Gerät in die Halterung legte. Mit unserer kontaktlosen Bezahllösung haben wir dieses Problem beseitigt. Dank offener Systeme sind unsere mobilen Rechner im Übrigen kompatibel mit der Software der Retailer. Bis vor kurzem war Windows – oft Windows CE – die am meisten nachgefragte Software für industrielle Anwendungen mit mobilen Geräten. Jetzt verlangen die Kunden die Verlässlichkeit eines Industriegeräts – aber mit der Bedienoberfläche und der Usability eines Consumer-Produkts. Deshalb müssen wir das Android-Betriebssystem in unsere mobilen Produkte einführen. Wir entwickeln derzeit eine Lösung bei der unsere mobilen Rechner Android OS verwenden – das wird uns neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit unseren Partnern verschaffen. Wir haben allerdings nicht die Absicht, unseren Schwerpunkt von der Hardware auf die Software zu verlegen. Wir konzentrieren uns auch weiterhin auf unsere Kernkompetenz, die Hardware zu verbessern und neue Wege zu finden, die Bedürfnisse unserer Kunden zu befriedigen.
 

Kontaktieren

Datalogic S.r.l. Niederlassung Central Europe
Gottlieb-Stoll-Str. 1
73271 Holzmaden
Telefon: +49 7023 7453 100

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