15.06.2015
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VDMA: Roboter sichern Beschäftigung

VDMA widerspricht anderslautenden Studien

  • Patrick Schwarzkopf kommentiert die Studien zur Entwicklung der Robotik
  • Patrick Schwarzkopf
  • „Die Aussichten stehen gut, dass wir bis zum Jahresende die Marke von 12 Milliarden Euro Branchenumsatz erreichen“, sagte Hans-Dieter Baumtrog, Vorsitzender des Vorstands von VDMA Robotik + Automation.

Roboter haben weltweit in den vergangenen Jahren erheblich zum wirtschaftlichen Wachstum und Wohlstand beigetragen. „Der Einsatz von Robotik und Automation bietet bedeutende Chancen für eine stabile wirtschaftliche Entwicklung, wertige und ergonomische Arbeitsplätze sowie sichere und erschwingliche Produkte“, sagte Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbands Robotik + Automation am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz in Frankfurt. „Sorgen vor einer Zukunft, in der Roboter Menschen die Arbeitsplätze wegnehmen, sind unbegründet. Mensch und Roboter sind eine unschlagbare Kombination. Selbst anderslautende Sensationsmeldungen können darüber nicht hinweg täuschen“, sagte Schwarzkopf. In Deutschland hat die Robotik- und Automationsbranche 2014 mit einer Umsatzsteigerung von 9 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro ein neues Rekordergebnis erzielt. Im laufenden Jahr wird mit einem Umsatzplus von 5 Prozent gerechnet. „Die Aussichten stehen gut, dass wir bis zum Jahresende die Marke von 12 Milliarden Euro Branchenumsatz erreichen“, sagte Hans-Dieter Baumtrog, Vorsitzender des Vorstands von VDMA Robotik + Automation. In den ersten vier Monaten 2015 lag der Auftragseingang gegenüber dem Vorjahreszeit-raum um 11 Prozent höher. Nachfrage kam vor allem aus dem Ausland. Schon 2014 hatten die Exporte einen Anteil von 55 Prozent erreicht. Größter Absatzmarkt ist China. Dort wird zunehmend in Automatisierungstechnik investiert, um künftig in technologisch anspruchsvolle Märkte vordringen zu können.

Kein Paradox – Roboter und Jobs

Beispiel deutsche Automobilindustrie: Diese mit Abstand größte Kundenbranche weitete ihren Bestand an Industrierobotern in Deutschland von 2010 bis 2014 um 15 Prozent auf 92.000 Einheiten aus. Im selben Zeitraum erhöhte sie die Zahl der Beschäftigten um 10 Prozent auf 775.000. Die Automationsangst vor der Substitution des Menschen ist damit unbegründet. Inzwischen ist in vielen Fällen auch die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine möglich. Die Roboter werden mithilfe von Sensorik so sicher gemacht, dass sie ohne Schutzzäune auskommen.  Beispiel Nordamerika: Das Land holt seine Industrien zurück, die es Jahre zuvor in Billiglohnländer ausgelagert hatte.

Die Amerikaner erkannten, dass eine starke industrielle Basis wichtig für konsistentes Wachstum ist. Diese Re-Industrialisierung  ist aber nur möglich, weil die Unternehmen durch Einsatz von Automation wettbewerbsfähig geworden sind.

"Roboter-Studie der ING-DiBa ist unbrauchbar"

Mit ihrer Studie „Die Roboter kommen – Folgen der Automatisierung für den deutschen Arbeitsmarkt“ hat die Bank ING-DiBa im April für viel Aufregung gesorgt. Der Studie zufolge werden durch die fortschreitende Automatisierung über kurz oder lang 59 Prozent der untersuchten Arbeitsplätze in Deutschland bedroht. Das wären 18 Millionen Arbeitsplätze. Die Chancen des Robotereinsatzes für neue Berufe und Beschäftigungsverhältnisse werden hingegen nicht quantifiziert. Stattdessen führt die wirklichkeitsferne Technologieeinschätzung zu einer Verzerrung der Realität. Demnach würden künftig 1,9 Millionen Büro- und Sekretariatskräfte robotisiert, gerade einmal  250.000 Stellen blieben erhalten. „Aus unserer Sicht ist das in keiner Weise belegbar“, sagte Schwarzkopf. Das Bundesarbeitsministerium hat das Automatisierungspotenzial überprüft, aber nicht nach Berufen, sondern nach Tätigkeiten. Heraus kam, dass nur etwa 12 Prozent aller Arbeitsplätze ein Profil mit hoher Automatisierungswahrscheinlichkeit haben. 

Die im Februar 2015 erschienene Studie „Robots at Work“ untersucht die Auswirkungen von zunehmender Automation auf die wirtschaftliche Entwicklung von 17 Ländern. Die Wissenschaftler Georg Graetz von der Universität Uppsala und Guy Michaels von der London School of Economics kommen darin aber zu einem ganz anderen Schluss. Im Schnitt gingen gut 10 Prozent der Steigerung des Bruttoinlandsprodukts und 15 Prozent der Produktivitätsgewinne auf den vermehrten Robotereinsatz zurück. Dagegen stellten die Experten keinen Rückgang der Beschäftigung fest, wohl aber einen Anstieg der Löhne. „Das lässt den Schluss zu, dass der technische Fortschritt menschliche Arbeit aufgewertet hat“, sagte Schwarzkopf.
Schon 2013 hatte der internationale Roboterverband IFR in seiner Studie „Positive Impact of Robots on Employment“ herausgefunden, dass pro eingesetztem Roboter drei bis fünf neue Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe geschaffen werden.
Der positive Einfluss zeigt sich auch am Standort Deutschland: Der Roboterbestand wuchs zwischen 2010 und 2014 um fast 20 Prozent auf 176.000 Einheiten. Die Zahl der Beschäftigten nahm in dieser Zeit um 1,6 Millionen auf 42,58 Millionen zu. Allein im Maschinenbau sind in den letzten fünf Jahren 100.000 neue Arbeitsplätze entstanden. Aktuell sind hier 1.008.000 Menschen beschäftigt. 

Alle Teilbereiche mit Rekordumsätzen

Von den Teilbereichen der Robotik + Automation erhöhte die Robotik ihren Umsatz 2014 um 7 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Die industrielle Bildverarbeitung – von der optischen Qualitätsinspektion bis hin zur Mautkontrolle – verzeichnete mit 16 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro den größten Zuwachs. Der Umsatz von Integrated Assembly Solutions, das sind Komponenten und Systeme für die Montage und Handhabung, erhöhte sich um 8 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro. Im Zuge dieses Wachstums stieg die Zahl der Beschäftigten in der gesamten Branche um 3 Prozent auf beinahe 52.000. Es wird damit gerechnet, dass der Beschäftigungsaufbau in den nächsten Jahren deutlich zulegen wird.

Robotik weltweit auf dem Vormarsch

Mehr als 225.000 Roboter wurden 2014 nach einer Erhebung des IFR weltweit neu installiert. Das entspricht einem Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Europa waren die Zuwächse mit 4 Prozent noch vergleichsweise moderat, in Nordamerika aber mit 8 Prozent schon beträchtlich. In Asien nahm die Installation von Robotern um 42 Prozent zu, getrieben vor allem durch China. „China begnügt sich nicht damit, Roboter einzusetzen. Klare Strategie der chinesischen Regierung ist es, selbst ein starkes und innovatives Roboterland zu werden“, sagte Verbandsvertreter Baumtrog.
Das weltweit steigende Interesse an der Robotik zeigt sich auch an der Rekordbeteiligung für die Branchenleitmesse Automatica, die im Juni nächsten Jahres in München stattfinden wird. Schon heute, ein Jahr vorher, sind 91 Prozent der Ausstellungsfläche gebucht. Die Automatica zeigt die neuen Möglichkeiten der Produktionsoptimierung: von der Industrie 4.0 über die Mensch-Roboter-Kollaboration bis hin zur Professionellen Servicerobotik.

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