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Virtuelle Welten in Echtzeit erleben

Optische Motion-Tracker für ER- und VR-Anwendungen

10.04.2009
Optische Bewegungsbestimmung spielt bei der immersiven Visualisierung eine wichtige Rolle
Optische Bewegungsbestimmung spielt bei der immersiven Visualisierung eine wichtige Rolle mehr
Optische Bewegungsbestimmung spielt bei der immersiven Visualisierung eine wichtige Rolle Kalibrierte iotracker-­Kameras können Ziele innerhalb eines Raumes von bis zu 4 x 4 x 3 m erfassen Die grafische Benutzeroberfläche von iotracker für die Kalibrierung des Systems am Einsatzort Das kompakte iotracker Kameragehäuse beherbergt eine on-board FireWire-Kamera sowie ein ... Starrkörper-Ziele reflektieren das Infrarotlicht der iotracker-Kameras zurück auf deren Bildsensor Systemübersicht iotracker 

Stellen Sie sich vor, Sie könnten das in Libyen gelegene Leptis Magna, größte heute noch erhaltenen Stadt des antiken römischen Reiches, bequem von Ihrem Wohnzimmersessel aus besuchen. Oder aber Sie würden einen Gebäudekomplex durchschreiten, lange bevor dieser gebaut wird. Zwei typische Gedankenspiele, die zu einer stetig wachsenden Anzahl inzwischen handelsüblicher Produkte für erweiterte und virtuelle Realität (ER und VR) führen. Für ER- und VR-Anwendungen ist dabei die Echtzeitverarbeitung der Bewegungen von Menschen oder Objekten im Raum zur exakten Positions- und Bewegungsbestimmung innerhalb eines definierten Koordinatensystems mittels optischer Messtechnik eine Grundvoraussetzung.



Wenngleich es auch in den letzten 10 Jahren einen dramatischen Preisverfall für Rechenleistung, Projektion und Darstellung gab, bleiben die Kosten für bewegungsbestimmende Komponenten weiterhin auf hohem Niveau. Darum hat ein Forschungsteam der Interactive Media Systems Group der TU Wien damit begonnen, ein eigenes, einfach zu bedienendes low-cost Motion-Tracking System zu entwickeln. Hiermit können immersive VR-Anwendungen kostengünstiger realisiert und damit einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. 2007 startete das Wiener Team das Projekt „iotracker" (www.iotracker.com). Dieses Projekt hat die Entwicklung kostengünstiger optischer Infrarot-Tracker zum Ziel, die den strengen Anforderungen für Bewegungsbestimmung in den für immersive Visualisierungssysteme benötigten sechs Freiheitsgraden gerecht werden.


Spaziergang durch die virtuelle Welt
Optischen Motion-Tracking-Systemen verwenden in der Regel mehrere, zweidimensionale Bildsensoren (Kameras), die die Eingabeobjekte erkennen, die entweder mit „aktiven" (infrarot-emittierenden) oder „passiven" (retroreflektierenden) Markierungen ausgestattet sind. Das iotracker-System besteht aus bis zu acht kleinen, kalibrierten Infrarotkameras mit integriertem IR-Stroboskop, einer Synchronisierungseinheit, einem PC mit der iotracker Software sowie mehreren Starrkörpermarkern, die an den unterschiedlichen Eingabeobjekten befestigt sind. Durch die Daten, die diese Kameras sammeln, kann das System die genaue Lage jedes einzelnen Markers durch Triangulation berechnen.

Sind mehrere Marker zu einem Starrkörperobjekt gruppiert, kann nun auch dessen Ausrichtung in bis zu sechs Freiheitsgraden (6-DOF, degrees of freedom) bestimmt werden. So kann ein Anwender dann beispielsweise durch eine virtuelle Welt „spazieren" oder die Bewegung eines Objektes nach links, rechts, vor, zurück sowie nach oben oder unten erfasst werden.


Kalibrierung in drei Schritten
Die Kameras sowie die Ziele des iotracker-Systems müssen zunächst jedoch drei unterschiedliche Kalibrierungsschritte durchlaufen, um zuverlässige Triangulationen zu erzielen. Der erste Schritt ist die Messung der intrinsischen Parameter zur Kompensation von etwaigen optischen Fehlern des Systems. Diese können beispielsweise durch kleinste Abweichungen in der Kameraoptik hervorgerufen werden. Die Feststellung der intrinsischen Parameter wird noch durch iotracker selbst vor Auslieferung des Systems vorgenommen. Der zweite Schritt umfasst die extrinsische Kalibrierung, die durch den Anwender direkt am Einsatzort vorgenommen wird. Hierbei werden die genaue Lage und Position aller Kameras innerhalb des Systems bestimmt. Diese Kalibrierung muss bei jeder Positionsänderung einer Kamera erneut vorgenommen werden, dauert jedoch nur wenige Minuten. Der letzte Kalibrierungsschritt dient der Erkennung der Starrkörpermarker innerhalb des Systems. Nach abgeschlossener Kalibrierung ist das iotracker-System dann in der Lage, innerhalb des gesamten Erfassungsraumes Punktmessungen mit Sub-Millimeter-Präzision sowie einem Effektivwert von unter 5 mm vorzunehmen.


Kostengünstige und präzise Kameras
Iotracker setzt zur Bilderfassung auf das Digitalkameramodul Firefly MV IEEE 1394a von Point Grey Research. Die kompakten Firefly MV Kameras verfügen über eine eigene Kontrolleinheit, die in einem nur 71 x 66 x 40 mm großen Spezialgehäuse in direkter on-board Montage untergebracht ist. Weiterhin sind in diesem Gehäuse die Kamera selbst sowie eine IR-LED-Matrix integriert. Die M12 Mikrolinse mit einer Brennweite von 3,6 mm kann zusammen mit dem Weitwinkel-IR-Emitter ein diagonales Sichtfeld von bis zu 90° erfassen. So ist es möglich, ein maximales Raumvolumen von bis zu 40 m3 zu vermessen. Die Firefly MV basiert auf einem 1/3-Zoll Wide-VGA Monochrom-CMOS-Sensor mit globalem Shutter. Der CMOS selbst stammt von Micron (www.micron.com) und arbeitet bis in den nahen (850 nm) Infrarotbereich. Hierdurch können schnellere Verschlusszeiten erzielt und Bewegungsunschärfen, typisches Problem bei Hochgeschwindigkeits-Kamerasystemen, deutlich reduziert werden.
„Point Grey ist in der Wissenschaftsgemeinde als kostengünstiger Lieferant von Produkten zur industriellen Bildverarbeitung und Stereoskopie bekannt. An der TU Wien arbeiten wir viel mit Point Grey Produkten", so Thomas Pintaric, Chefentwickler bei iotracker. „Für die Firefly MV haben wir uns aus einer ganzen Reihe von Gründen entschieden. Sie ist die kostengünstigste Kamera die den IIDC v1.31-Standard erfüllt. Anders als preislich ähnliche IIDC v1.04-Kameras verfügt die Firefly MV jedoch auch über einen externen Auslösemechanismus, den wir für die präzise Synchronisierung der Shutter mehrerer Kameras nutzen."

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Schlüsselwörter : CMOS Firefly IEEE-1394a Infrarot IR-Kamera IR-Stroboskop Kalibrierung Kamera motion tracking Point Grey Stereoskopie tracking Triangulation virtual reality

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