Mit großen Schritten voran: Interview mit dem Geschäftsführer von Schneider Kreuznach, Dr. Thomas Kessler

Die Optik ist eine Traditionsbranche. Ein ebenso traditionsreiches Haus ist die Jos. Schneider Optische Werke GmbH aus Bad Kreuznach. Der Fortschritt macht vor der Tradition keinen Halt, insbesondere in der Industrie. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer von Schneider Kreuznach, Dr. Thomas Kessler, über Tradition und Zukunft der Optik-Branche.

In welchen Bereichen ist Schneider Kreuznach generell tätig?

Wir stellen Objektive und optische Filter für die Industrie und den Foto-/ Filmbereich her. Optische Komponenten wie Linsen sowie Brillengläser und servohydraulische Ventile runden das Sortiment ab. Hinzu kommen mechanische Teile aus Hybridmaterialien von unserer Tochter Pentacon in Dresden.

Welche Produkte fertigen Sie speziell für die Industrie? Was sind die Highlights Ihres Industrie-Portfolios?

Speziell für unsere Kunden in der Industrie bieten wir die Entwicklung und Fertigung von robusten, leistungsstarken Objektiven und optischen Filtern. Über 100 Jahre Erfahrung und eine nahezu vollständige Fertigungstiefe ermöglichen es uns, Kundenwünsche genau zu erfüllen: vom kompakten Objektiv mit Antishading-Funktion bis hin zum High-End Line-Scan-Objektiv mit optimaler Farbkorrektur. Wir führen ein breites Sortiment an Standardobjektiven und Filtern, bieten jedoch zusätzlich auch kundenspezifische Lösungen an. Dabei kann es sich um eine Neuentwicklung handeln oder die Modifizierung eines bestehenden Objektivs. Unser Know-how in der Beschichtung eröffnet uns darüber hinaus zahlreiche Möglichkeiten, Filter und Objektiv zu einer Einheit zu kombinieren.

In welchen Märkten und Applikationen platzieren Sie Ihre Produkte vornehmlich?

Die Einsatzmöglichkeiten sind aufgrund des breiten Portfolios sehr vielfältig. Unsere Produkte finden sich primär im Bereich Machine Vision, also maschinelles Sehen, in der Automatisierung und Qualitätssicherung sowie in der 3D-Messtechnik. Weiterhin decken wir verschiedenste Anwendungen in der Verkehrsüberwachung und Verpackungsindustrie ab und liefern Lösungen für LCD-Flachdisplays sowie die Leiterplattentechnologie (PCB, Printed Circuit Boards).

Betrachten wir einmal die Technologie –  die Optik ist eine sehr traditionelle Branche. Wohin könnten die Entwicklungen für die Industrie aus Ihrer Sicht gehen, welche neuen Bereiche und Anwendungen könnte man erschließen, beziehungsweise planen Sie zu erschließen?

Bei den möglichen Anwendungen sehen wir die Optik ganz stark in den Bereichen autonomes Fahren, in `smarten´ Haushaltsgeräten, Drohnen oder den zahlreichen Facetten der Industrie 4.0. Was die Technologien betrifft, geht der Trend unserer Ansicht nach zur Miniaturisierung, zu den Themen Lens-on-Board, Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR).

Wie definieren Sie als Optiker für sich den Begriff „Embedded Vision“? Wie sehen Sie das Thema? Ein Hype oder eher eine fundierte Ausrichtung?

Ein Bildverarbeitungssystem besteht immer aus Hard- und Software. Das bedeutet Objektiv, Kamerasensor, Rechner und Auswerte-Einheit in einem Gerät, und das meistens sehr kompakt.
Embedded Vision-Produkte wie Vision-Sensoren gibt es bereits seit zehn Jahren auf dem Markt. Je nach Definition kann jedes Maschine Vision System, das kompakt in ein Gehäuse verbaut ist, als Embedded Vision bezeichnet werden. Die Entwicklung, einfach zu bedienende Bildverarbeitungssysteme kompakt als smarte´ Komponente in immer mehr Bereiche des alltäglichen Gebrauchs einzubauen, ist sicher ein langfristiger Trend, der noch viel Forschung- und Entwicklungsleistung bedarf, der aber auch schon heute mit großen Schritten voran geht und unsere Welt allmählich verändert.

Wohin geht die Branche aus Ihrer Sicht, in welchen Bereichen sehen Sie allgemein und für sich im Besonderen Wachstumschancen?

Unsere Stärke liegt nicht in der Herstellung eines einzelnen Produkts sondern in der Fähigkeit, leistungsstarke Linsensysteme mit hochpräziser Mechanik zu einem Objektiv zu vereinen. Die Bildverarbeitung nimmt in immer mehr Bereiche Einzug. Embedded Vision, Sicherheit und Virtual Reality/ Augmented Reality sind nur einige der Branchen, die in Zukunft verstärkt genau angepasste optische Komponenten und Systeme benötigen werden. Hier sehen wir für uns Potenziale.

Kontaktieren

Jos. Schneider Optische Werke GmbH
Ringstr. 132
55543 Bad Kreuznach
Germany
Telefon: +49-671-601-0
Telefax: +49-671-601-109

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