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Einer der herausragenden Visionäre unserer Branche ist sicherlich der Cognex Mitgründer und Senior Vice President Bill Silver. Es ist uns gelungen, ihn für kurze Zeit sowohl vom Programmieren (immer noch eine tägliche Beschäftigung) als auch von Ultimate Frisbee (eine ebenfalls tägliche Beschäftigung) weg zu locken und ihm ein paar Fragen zu den zukünftigen Entwicklungen und Herausforderungen in der Bildverarbeitung zu stellen.
INSPECT: Herr Silver, was würden Sie als die wichtigste Entwicklung im Bereich Bildverarbeitungs-Software in den letzten 10 Jahren bezeichnen?
B. Silver: Die Branche der industriellen Bildverarbeitung scheint weit über das Stadium hinaus zu sein, in dem man eine Softwareentwicklung als die wichtigste Entwicklung eines Jahrzehnts bezeichnen könnte. In den 1980ern konnte man auf Cognex Search (die normalisierte Korrelation) oder die Benutzeroberfläche von Itran verweisen und in den 90er Jahren auf PatMax. In den letzten 10 Jahren ist die Sache jedoch nicht ganz so klar. Dies zeigt sowohl, dass die industrielle Bildverarbeitung mittlerweile sehr ausgereift ist, aber auch die breite Vielfalt der industriellen Anwendungen.
Also gut: was wird denn in den nächsten 10 Jahren die wichtigste Entwicklung im Bereich Bildverarbeitungs-Software sein?
B. Silver: Hoffentlich das, woran ich derzeit arbeite... Ich hoffe, dass sich meine Einschätzung, die industrielle Bildverarbeitung sei über das Stadium hinaus, in dem sich eine einzelne Neuentwicklung als „die wichtigste Entwicklung" von den anderen abhebt, als falsch erweist. Ich hoffe auch, dass das einige ehrgeizige junge Leute erkennen, auch wenn sie sich gegen einige ebenfalls noch recht ehrgeizige Leute mittleren Alters durchsetzen müssten. Halten Sie Ausschau nach Entwicklungen in den folgenden Bereichen:
Bildanalyse: Uns ist es hervorragend gelungen, alle möglichen Informationen aus einem einzelnen Bild herauszuquetschen, und ich bin schon seit langem der Überzeugung, dass wir für jede weitere Verbesserung mehr Umgebungs-Informationen benötigen, die sich beispielsweise mithilfe von 3D oder Bewegung erzeugen lassen.
Ich bin persönlich sehr am Thema Bewegung interessiert: es werden viele Informationen über das Objekt erzeugt, man benötigt keine ausgefallene Hardware und kaum jemand sonst in der Branche scheint sich ernsthaft damit zu beschäftigen.
ID: Im nächsten Jahrzehnt wird die bildbasierte ID größtenteils die Laserscanner ersetzen. Zum Teil wird dies auf den verstärkten Einsatz von 2D-Codes und den Bedarf an Möglichkeiten wie die Speicherung von Bildern mit nicht lesbaren Codes zurückzuführen sein. Damit bildbasierte Systeme die Laser aber auch wirklich ablösen können, müssen sie 1D-Strichcodes mindestens so gut oder sogar noch besser lesen können als der Laser. Das bedeutet Leistungsfähigkeit, Geschwindigkeit, Sichtfeld und Kosten. Bei einigen industriellen Anwendungen ist dies bereits möglich. Für einen breiter angelegten Einsatz ist jedoch bahnbrechende Software erforderlich.
Benutzeroberfläche: Revolutionen im Bereich der Benutzeroberflächen sind selten, aber dafür umso wirkungsvoller. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die Benutzeroberfläche von Itran aus dem Jahr 1983 in der dreißigjährigen Geschichte der industriellen Bildverarbeitung die einflussreichste Entwicklung war. Seitdem wurde fleißig weiterentwickelt, aber keine dieser Entwicklungen hatte einen derart weitreichenden Einfluss. Ich weiß nicht, was uns in den kommenden 10 Jahren erwartet, aber das Potenzial für bedeutende Entwicklungen ist da.
Computational Optics: Die Gesetze der Physik setzen der Schärfentiefe und der Objektgeschwindigkeit als Funktion der Beleuchtungsstärke Grenzen. Wenn diese Grenzen überschritten werden, kommt es zu einem Verlust von Informationen im Bereich der höheren räumlichen Frequenz, die für die Mustererkennung, ID usw. unerlässlich sind. Computational Optics erlaubt es uns Informationen aus dem höher frequenten Bereich zu gewinnen indem wir auf einige Informationen in den niedrigeren Frequenzbereichen verzichten, die für uns weniger interessant sind. Dadurch können wir die physikalischen Grenzen ausdehnen. Dafür sind ausgefallene Hardware und auch Software notwendig, und das dürfte im kommenden Jahrzehnt von großer Bedeutung sein.
Welche größeren Herausforderungen im Bereich der industriellen Bildverarbeitung müssen aus Ihrer Sicht noch gelöst werden?
B. Silver: Newton hätte die industrielle Bildverarbeitung des Jahres 2010 beschreiben können, als er sagte: „Ich war wie ein Knabe, spielend am Strand, der hier und da einen glatteren Kiesel oder eine schönere Muschel als gewöhnlich findet, während der große Ozean der Wahrheit in seiner Unermesslichkeit unerforscht vor mir liegt." Im Gegensatz zu Newton wissen wir recht genau, wie der „große Ozean" aussieht: das ist das menschliche Sehvermögen. Aber wir sind diesem heute genauso wenig nahe wie zu Beginn der Bildverarbeitungsindustrie im Jahre 1980. Ich gehöre zu denjenigen, die daran glauben, dass eine Maschine grundsätzlich alles das kann, was der menschliche Sehapparat kann. In der praktischen Umsetzung können bis dahin aber noch Jahrhunderte vergehen. Tatsächlich lässt sich meiner Meinung nach Kompetenz in der industriellen Bildverarbeitung nicht vom allgemeinen Problem der maschinellen Intelligenz trennen.
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Schlüsselwörter : 1D-Code 2D-Code Bildverarbeitung Bildverarbeitungs-Software Bill Silver Cognex Kamera Mustererkennung PatMax Visionär
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