Die industrielle Bildverarbeitung in Europa ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Die jährliche EMVA-Studie „European Vision Technology Market Statistics" zeigt, dass trotz erster Zeichen des globalen konjunkturellen Abschwungs 2008 ein weiteres Rekordjahr für die Branche war. Insbesondere Vision Sensoren und Bildverarbeitungs-Software konnten zulegen.
Europäische Trends
Einfach zu bedienende, günstige Standardsysteme wie Smart Cameras und vor allem Vision Sensoren konnten auch im vergangenen Jahr wieder Marktanteile gewinnen. Mit Hilfe von weiterentwickelter Soft- und Hardware sind diese Produkte in der Lage, Aufgaben auszuführen, für die vor nicht allzu langer Zeit nur deutlich komplexere Systeme eingesetzt werden konnten. High-End applikationsspezifische Systeme bleiben jedoch der umsatzstärkste Bereich.
Inspektion war auch im Jahr 2008 wieder das häufigste Einsatzgebiet industrieller Bildverarbeitung, sowohl die Inspektion von diskreten Bauteilen als auch die Inspektion von Bahnware. Hauptabnehmer der Systeme und Komponenten waren die Automobilindustrie und die elektrische/elektronische Indus-trie, aber auch in den nicht-produzierenden Branchen wächst das Anwendungspotential für die Bildverarbeitung.
Außerhalb Europas konnten die europäischen Bildverarbeiter gute Umsätze sowohl in Nord- und Südamerika als auch in Asien verbuchen. Dies unterstreicht die zunehmende Bedeutung des Exportgeschäfts. Umgekehrt verhielt es sich einmal mehr bei der Beschaffung: Hier konnten die Unternehmen in den letzten Jahren zunehmend auf Lieferanten vor der europäischen Haustür bauen.
Neuer Rekord im Branchenumsatz
Der Gesamtumsatz aller europäischen Bildverarbeitungsunternehmen, die an der aktuellen EMVA-Umfrage teilgenommen haben, betrug im Jahr 2008 fast 895 Mio. € und erreichte damit einen neuen Rekordwert. Knapp 73 % des Gesamtumsatzes wurde innerhalb Europas generiert. Die Umsätze in Deutschland, dem größten Markt für industrielle Bildverarbeitung in Europa, stiegen um 4,3 %, die wertmäßigen Lieferungen nach Italien stiegen sogar um 14 %. Auch Frankreich, die Türkei und Griechenland, sowie Großbritannien und Irland konnten überdurchschnittlich zulegen.
Darüber hinaus wurde der Anteil der Umsätze nach Übersee am Gesamtumsatz ausgebaut. Die Verkäufe nach Nord-, Mittel- und Südamerika stiegen um 11,1 % auf einen Anteil von 12,9 % am Gesamtumsatz. Die Geschäfte mit Asien konnten um 4,3 % zu einem 13,6 %igen Anteil Asiens am Gesamtumsatz ausgebaut werden.
Systeme führend bei den Produkten
Die Umsätze aller Bildverarbeitungssysteme blieben 2008 auf einem hohen Niveau und machten 52,5 % des Gesamtumsatzes aus. Alle Systeme, also applikationsspezifische Systeme, konfigurierbare Systeme, Smart Cameras und Vision Sensoren, konnten ihre Umsätze steigern. Speziell die Vision Sensoren - im Vorjahr schon die Shooting Stars - wuchsen wieder zweistellig und steigerten ihren Umsatz um 26,2 %. Den größten Umsatzanteil aller Systeme in der aktuellen Erhebung verzeichneten mit fast 336 Mio. € die applikationsspezifischen Systeme.
Die Produkte der Bildverarbeitungskomponenten steigerten ihren Umsatz insgesamt um 2,9 % und haben einen Anteil am Gesamtumsatz von 43,2 %. Darin halten die Kameras mit 27,1 % den größten Anteil. Die Verkäufe von Bildverarbeitungssoftware wuchsen überdurchschnittlich um 12,3 %. Einzig der Frame Grabber verzeichnete 2008 einen Umsatzrückgang von 9,4 % im Vergleich zum Vorjahr, eine Fortschreibung der Entwicklung der vergangenen Jahre. Abbildung 2 zeigt die prozentualen Veränderungen der Umsätze in den einzelnen Produktkategorien zwischen 2007 und 2008.
Schlagkräftig bei 33 Mitarbeitern
Die europäische Bildverarbeitungsindus-trie wird noch immer von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) dominiert. Durchschnittlich beschäftigten die Unternehmen im Jahr 2008 europaweit 33 Mitarbeiter. In Deutschland wurde dieser Wert mit durchschnittlich 40 Mitarbeitern leicht übertroffen, während die bildverarbeitenden Unternehmen in Italien beispielsweisemit 15 Mitarbeitern im Schnitt deutlich kleiner waren. Mit 85 % beschäftigte im Jahr 2008 die überwiegende Mehrheit der Firmen in Europa weniger als 50 Personen. Jedes zweite Unternehmen hat 10 Mitarbeiter oder weniger.
In den vergangenen Jahren haben eine ganze Reihe von Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau, der Automatisierungstechnik und der Sensorik
eigene Bildverarbeitungsabteilungen gegründet. Im Jahr 2008 gaben europaweit 45 % der teilnehmenden Firmen an, dass Bildverarbeitung ein Teilbereich ihres Unternehmens ist.
Etwa 6 % der Teilnehmer an der EMVA-Marktbefragung waren Niederlassungen von Unternehmen außerhalb Europas.
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