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„Komplementäre Produkte“

Allied Vision Technologies übernimmt VDS Vosskühler

11.02.2011
Unser Interviewpartner Frank Grube, Geschäftsführer von Allied Vision Technologies
Unser Interviewpartner Frank Grube, Geschäftsführer von Allied Vision Technologies mehr

Allied Vision Technologies, Hersteller von Gigabit Ethernet- und FireWire-Kameras, übernimmt rückwirkend zum 1. Januar 2011 den in Osnabrück ansässigen Kamerahersteller VDS Vosskühler zu 100 %. Wir sprachen mit Frank Grube, Geschäftsführer von Allied Vision Technologies, über die Gründe der Akquisition, das Wachstumspotential der Bildverarbeitung im nicht-sichtbaren Bereich und über die „Make or Buy"-Strategie seines Unternehmens.

INSPECT: Einer der Gründe für die Akquisition von VDS Vosskühler ist die Erweiterung Ihres Produktangebotes im Bereich NIR/LWIR. Welche Märkte bzw. Branchen haben Sie dort konkret im Fokus?
F. Grube: Der Markt für industrielle Inspektion entdeckt zunehmend die Vorteile der Bildverarbeitung im nicht-sichtbaren Spektrum. Bestimmte Inspektionsapplikationen sind mit herkömmlichen Kameras für das sichtbare Spektrum nicht möglich. So können NIR-Kameras beispielsweise durch einige Kunststoffarten hindurchsehen. Darüber hinaus eröffnen sich Anwendungen in der Analyse der Zusammensetzung von Gegenständen und Materialien, indem man das Spektrum durch geeignete Filter weiter unterteilt. Diese Applikationen finden sich vorwiegend in Medizin bzw. Life Science und in der Landwirtschaft. Wir sind davon überzeugt, dass sich neben den bereits heute bekannten Applikationsfeldern in den nächsten Jahren eine Vielzahl neuer Bereiche auftun wird - sowohl in der Machine Vision als auch in vielen anderen nicht-industriellen vertikalen Marktsegmenten.

Wie sehen Sie die Wachstumschancen für diese Märkte?
F. Grube: In den kommenden Jahren sehen wir hohe Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich. Wir befinden uns erst am Anfang der Erschließung verschiedenster Applikationen und erwarten für die nächsten Jahre eine deutliche Ausweitung der Einsatzbereiche. In einigen Applikationen wird neben jeder Kamera für das sichtbare Spektrum auch eine Infrarotkamera hängen, um die Inspektionsqualität deutlich zu steigern. Andere Anwendungen, von denen wir heute noch gar keine Vorstellung haben, dass sie automatisiert und zerstörungsfrei durchgeführt werden können, werden für ein weiteres deutliches Wachstum sorgen.

Ich kann mir exponentielle Wachstumsraten vorstellen, da die Erschließung neuer Applikationen andere Applikationsgebiete mit sich ziehen wird. Wir sehen mit sehr viel Zuversicht auf das Marktwachstum.

Kann das Wachstum eines Kameraherstellers zukünftig noch alleine aus dem industriellen Bereich erzielt werden?
F. Grube: Der Markt für die industrielle Bildverarbeitung ist sehr dynamisch. Allerdings bieten nicht-industrielle Anwendungen darüber hinaus ein Riesenpotential. Warum sollten wir das ignorieren? Die Frage ist, welche Position man am Markt hat und welche Strategie man verfolgt. Allied Vision Technologies ist schon heute die Nummer 2 unter den Kameraherstellern weltweit. Unser Ziel und unser Anspruch ist es, die weltweite Nummer 1 für Digitalkameras zu sein. Nicht-industrielle Anwendungen haben bereits in der Vergangenheit für eine starke Nachfrage unserer Produkte gesorgt. Dieser Trend wird sich in der Zukunft weiter verstärken. Die Anforderungen von industriellen und nicht-industriellen Applikationen sind häufig ähnlich und durch die Implementierung spezifischer Smart Features, die ein Alleinstellungsmerkmal für Allied Vision Technologies (AVT) darstellen, sind unsere Produkte auch für den nicht-industriellen Einsatz sehr gut geeignet, beispielsweise im Medizin- und Traffic-Bereich.

VDS suchte einen starken Vertriebspartner für das internationale Geschäft. Wie groß war bisher der internationale Umsatz bei VDS?
F. Grube:
Ich werde Ihnen keine Zahlen nennen, aber Folgendes kann ich sagen: VDS-Vosskühler hatte bisher im Vergleich zu AVT einen nur begrenzten Zugang zum internationalen Markt. Das Unternehmen hatte keine eigenen Vertretungen im Ausland und nur sehr wenige Distributoren. Allied Vision Technologies ist mit zwei Niederlassungen in Nordamerika (USA und Kanada), einer Vertretung in Asien (Singapur) und Vertriebspartnern in über 30 Ländern sehr stark aufgestellt. Daraus versprechen wir uns natürlich viel für den weltweiten Ausbau des VDS-Umsatzes.

Inwieweit hat die Krise der letzten Jahre diese Akquisition gefördert?
F. Grube:
Die Wirtschaftskrise hat keinen Einfluss auf die Akquisition gehabt. Durch die Kundenstruktur von VDS-Vosskühler ist sie beinahe ohne Auswirkungen vorbeigegangen. Sowohl Umsatz als auch Ertrag sind auf einem konstant hohen Niveau geblieben. Ähnliches gilt auch für AVT. Seit Jahren arbeiten beide Unternehmen erfolgreich und profitabel.
Unsere Akquisitionsstrategie richtet sich auch nicht auf die Übernahme angeschlagener Unternehmen, die billig zu haben sind. Vielmehr suchen wir nach Unternehmen, die zu unseren Produkten komplementäre Produkte erfolgreich entwickelt haben, und die sich im Markt bewiesen haben. Das galt für Prosilica vor über zwei Jahren und zeigt heute, dass auch VDS-Vosskühler passend für unsere Strategie ist. Mehrwert können wir auf der einen Seite aus der Nutzung unserer Vertriebskompetenzen generieren, auf der anderen durch die enge Verzahnung der Entwicklungsabteilungen, die sich in ihrem Know-how sehr gut ergänzen. Wir streben auch nach dieser Akquisition einen umfangreichen Wissenstransfer in beide Richtungen an, der unseren zukünftigen Produkten noch einmal einen Schub verleihen wird.

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