Teilnehmer der Podiumsdiskussion „Entscheidungskriterien für industrielle Bildverarbeitung“ auf der SPS/IPC/Drives waren: Dr. Helge Moritz, Geschäftsführer der Firma In-situ, Dr. Theodor Wanner, geschäftsführender Gesellschafter von Sensopart Industriesensorik, Frank Konopka, Produktmanager für Bildverarbeitung bei Siemens, Peter Keppler, Vertriebsleiter für Systemlösungen bei Stemmer Imaging und Dr. Jürgen Geffe, Geschäftsführer von Vision + Control.
Anwendervorteile durch BV
Im Zentrum der Diskussion stand zunächst die entscheidende Frage, welche Vorteile sich für den Anwender durch den Einsatz industrieller Bildverarbeitung ergeben. Im Plenum herrschte Einhelligkeit darüber, dass sich Vorteile zum einen daraus ergeben, dass BV-Systeme wesentlich größere Bereiche erfassen können als bspw. Laserlichtschranken oder andere optische Sensoren. Weiterhin kann die IBV bei Inspektionsverfahren, die heute nach wie vor häufig noch durch Menschen und damit entsprechend fehlerbehaftet durchgeführt werden, in vielen Fällen Abhilfe und Geschwindigkeitsvorteile schaffen, auch wenn das menschliche Auge in punkto Fokussierung der BV nach wie vor überlegen ist. Dafür sind BV-Systeme aber andererseits in der Lage, Prozesse sicher zu überwachen, und damit letztendlich Produktqualität zu sichern: „Was bringt die BV? Anhebung der Produktqualität bei gleichzeitiger Kostensenkung, Steigerung der Anlagenproduktivität und dadurch schlussendlich auch Risikominimierung für den Kunden“ (P. Keppler).
Optosensor vs. BV?
Kontrovers diskutiert wurde die Frage, wo der Optosensor aufhört und die intelligente Kamera anfängt. So ist der optische Sensor zunächst ein punktueller Sensor und damit auf eine relativ kleine Fläche begrenzt, was bei Inspektionsaufgaben nachteilig sein kann. Dort bieten dann intelligente Sensoren / Kameras, also Sensoren, die über eine große Fläche detektieren können, auch durch ihre Flexibilität Einsatzvorteile. Im Zuge der technologischen Entwicklung – Stichwort bspw. Miniaturisierung – kann man immer mehr und bessere Technik in immer kleineren Gehäusen unterbringen, und, so P. Keppler weiter: „Unser Ziel ist es, dort einfach zu bedienende Einheiten zu schaffen.
Wir nennen das bewusst Sensoren – wir wollen keine Systeme liefern, sondern Sensoren, die ein Standardtechniker ohne BV-Kenntnisse einsetzen kann.“ Dr. Geffe vertrat die Ansicht, dass es heutzutage schon gar nicht mehr möglich sei, genau zu definieren, was nun eigentlich ein klassisches BV-System sei. In punkto Sensor jedoch: „Sensor ist die einfache Bedienung.“ F. Konopka brachte den Zusammenhang zwischen Flexibilität und Komplexität ins Spiel – je flexibler das Gerät, umso komplexer sei es, und vice versa.
Dabei sei es zweitrangig, konkrete begriffliche Abgrenzungen zu finden: „Eine echte Abgrenzung dazwischen zu finden, sowohl nach oben als auch nach unten, ist weder sinnvoll noch gewünscht. Ich glaube, es ist wichtig, das gesamte Anwendungsspektrum an all seinen Stellen abzudecken und für die jeweilige Anwendung das sinnvolle Gerät zu finden.“ Dr. Moritz ergänzte, dass die Grenzen sicherlich fließend seien, aber ein klares Unterscheidungsmerkmal zwischen intelligentem Sensor und BV-System in der Art und Weise des Umgangs damit gegeben sei: „Ein intelligenter Sensor wird konfiguriert – ein BV-System wird programmiert, und zwar nach den Wünschen des Kunden und bezogen auf seine konkrete technische Aufgabe.“ Und Dr. Wanner fasste zusammen, dass intelligente Sensoren oder Kameras drei prinzipielle Merkmale beinhalten: Kurze Inbetriebnahmezeit, kurze Einarbeitungszeit, niedrige Kosten.
Kosten und Return of Invest
Damit stand auch schon die nächste Frage im Raum: Die Kostenfrage. Was kostet den Anwender ein solches System – und wie sieht es aus mit dem Return of Invest? Klartext war die Devise unter den Diskussionsteilnehmern. Dr. Moritz siedelte intelligente Sensoren im Preissegment von 2.000-5.000 € an, wobei im oberen Preisbereich durchaus schon eine komplette Kamera inkl. Software zu erwarten sei. Bei einfachen, PC-gestützten BV-Systemen könne man ab 5.000 € anfangen – je nach Anforderungen und Komplexität der Aufgabe würden weitere Hard- und Softwarekomponenten hinzukommen, so dass nach oben eigentlich keine direkten Grenzen auszumachen seien. Auch Engineering sei u.U. ein nicht zu vernachlässigender Faktor: „Irgend jemand muss es zusammen bauen“ – die Kosten dafür könne man beim Doppelten des Hardwarepreises ansetzen. Diese Einschätzung wurde u. a. von Dr. Geffe bestätigt, der dazu noch auf die Verantwortung der Hersteller/Systemintegratoren verwies: „Ein BV-System wird ja nicht auf dem Schreibtisch installiert, sondern in eine Industrieumgebung. Und ich möchte an Sie appellieren – leisten Sie auch einen Beitrag dazu, dass diese Industrieumgebung analysiert, und dass das System an diese Umgebung angepasst wird.“
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